Felix von Leitner (Fefe) ist einer der Berliner CCC-Mitglieder (Chaos Computer Club). Seine Lebensleistung besteht darin, ein Start-Up vor die Wand gefahren zu haben und einen Blog zu betreiben. In seinem Blog beschäftigt sich von Leitner mit Cyber-Secutity und IT-Themen, aber hauptsächlich mit dem Lästern über Politiker. Das Problem ist nur, er hat sich niemals ernsthaft in der Politik engagiert und offenbart deshalb immer wieder eklatante Wissens- und Verständnis-Lücken in Sachen politischer Bildung und Zusammenhängen in politischer Arbeit. Diese Wissenlücken kompensiert von Leitner mit geradezu epochaler Überheblichkeit. Super-Fefe weiß alles, kann alles und überhaupt: auf der politischen Bühne tummeln sich nur Idioten, so der durchgängige Duktus auf seinem Blog. Damit stellt von Leitner den Prototypen der selbsternannten New-Media-Elite dar, die sich faktisch leider genauso unaufgeklärt-ferngesteuert erweist, wie der durchschnittliche Bild-Zeitungs-Leser. Nur eben diesmal online. Im Reallive treten solche Leute kaum in Erscheinung.

Seit vergangener Woche hat Fefe der deutschen Piratenpartei den Krieg erklärt. Die chronischen Sticheleien, die er noch vor kurzer Zeit mit „Ich kritisiere die Piraten, damit die endlich das richtige machen“ entschuldigte, ist nun vollends in eine Mischung aus Beleidigungen und Klugscheisserei umgeschwenkt.

„Was mich an den Piraten immer am meisten schockiert, ist diese Dummheit. Ich mein jetzt nicht dumm im Sinne von „dummer Spruch“ oder „dummer Witz“. Nein, dumm im Sinne von antiintellektuell. Dumm im Sinne von „ich weiß nicht nur nichts, ich traue auch den Leuten nicht, die was wissen“. Was einem da immer an atemberaubender Dummheit entgegenschlägt, das ist bedrückend.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb2feae

Von Leitner vertritt allen Ernstes die These, die Piratenpartei sei verantwortlich für die Einführung des Leistungsschutzrechtes, obwohl sie gar nicht im Bundestag vertreten ist. Absurdität auf höchstem Niveau.

„Wie kommt das eigentlich, dass die Netzpolitik gerade auf allen Fronten verloren geht?Ich glaube ja, dass die Piraten Schuld sind.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb2feae

Dabei müsste es von Leitner eigentlich besser wissen. Wenigstens teilweise, wie sein Podcast „Alternativlos“ (Folge 20) beweist. In der Folge hatte der Podcast Besuch vom FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der einen bemerkenswert wie richtigen Satz sagte: „… in diesem Augenblick sitzen in dieser Marktlücke (Authentizität Anm.d.R.) die Piraten, die sind es ja auch, da muss man auch sehr aufpassen. Die werden jetzt zu diesem Authentischen, passen auch genau zu diesem Bild, dass sie von sich geben. Aber für die Medien hat das gar nichts mit der Realität zu tun. Die brauchen das. Die brauchen das Label Authentizität. Die brauchen das deshalb, weil sie es auch wieder zerstören wollen. Das Label der Authentizität ist nur wichtig, das ist eine Medienlogik, weil ja dann das coole ist, an der Dramaturgie, das man dann irgendwann beweisen kann: Auch die nicht! Und dann stehen die Medien wieder gut dar. Das hat mit der Realität nichts zu tun, oder fast nichts. …“ Das bizarre an der Situation war, das Thema des Podcastes ist der Einfluss der Medien und die Spins, die im Hintergrund laufen. Auf genau den Spin, den Schirrmacher hier beschrieb, fällt Fefe nun rein, bzw. beteiligt sich defätistisch sogar daran.

Was die meisten Piraten an Fefe ärgert, ist die unglaubliche Unwissenheit, mit der von Leitner immer wieder großkotzig argumentiert. Das Fefe nicht den Unterschied zwischen einem Landtagsabgeordneten und einem Partei-Funktionär kennt, ist dabei noch eine der Kleinigkeiten, die sich am ehesten verschmerzen lassen. In der Vergangenheit warf von Leitner den Piraten immer wieder vor, bestimmte Hacker-Themen nicht intensiv genug aufgegriffen zu haben. Die Presse-Arbeit der Piraten wurde als zu schwach kritisiert, digitale Themen seinen vernachlässigt worden, mit denen die Piraten (nach von Leitners Logik) spielend hätten zweistellige Wahlergebnisse bei den Bundestagswahlen einfahren können. Was hierbei nicht nur bei Fefe eine große Rolle spielt, ist die Missachtung von horrenden Honoraren, die die etablierten Parteien regelmäßig an große PR-Agenturen überweisen. Typischerweise wird immer wieder von denen, die sich nie in einer Partei Wahlkampf betreiben mussten, argumentiert: Presse-Arbeit, dafür braucht man keine Agentur oder bezahlte Mitarbeiter. Das können Feierabend-Politiker auch so nebenbei machen. Wer so argumentiert, hat von den Zusammenhängen von Lobbyismus und Parteispenden nichts verstanden. Auch hier ist die Podcastfolge mit Frank Schirrmacher erhellend, als dort mit Vermutungen und Halbwissen zu ergründen versucht wird, wie die Piraten ihre Wahlkämpfe finanzieren.

Für die Piraten, die seit 2009 viel Geld und Freizeit opfern, um Vorratsdatenspeicherung, ACTA oder INDECT auf die Deutsche Medien-Agenda zu heben, sind von Leitners Frechheiten immer wieder ein Schlag ins Gesicht.
Während von Leitner Beispielsweise vor seinem Computer sitzend über angeblich inaktive
Piraten lästerte, demonstrierten diese in Köln gegen die Piratenfahnen schwenkende Pro-NRW,
statt gegen die GEMA. Wie viel Arbeit es ist, aus einer Ein-Themen-Partei eine Vollprogramm-Partei zu machen, kann er gar nicht beurteilen.
Er hat sich schließlich nie von seiner Couch bequemt, um beispielsweise Sitzungen des Umweltausschusses eines Kommunalparlamentes zu besuchen. Aber genau das ist die zwingende Voraussetzung, um eine Wählerbasis zu schaffen, die eine dauerhafte Piratenfraktion im Bundestag benötigen würde. Diese Arbeit ist allerdings der Hauptgrund für die schwächelnde Aktivitätskurve der Piraten bei ihren Kernthemen. Tausende Aktive sitzen Abend für Abend in den gähnend langweiligen Stadtratssitzungen Deutschlands und versuchen, sich mit literweise Kaffee wach zu halten. Und das vor allem mit dem Ziel, die notwendigen Mehrheiten zu beschaffen, um die Netz-Community (und damit auch ihn) dauerhaft vor einer nach wie vor drohenden Vorratsdatenspeicherung zu bewahren. Am besten erkennt man die traurige Wahrheit der hier beschriebenen Tatsache daran, dass sich der von Fefe verkörperte Nerd-Typus ausschließlich mit Bundesthemen beschäftigt. Kommunal- oder Landesparlamente liegen außerhalb seines digitalen Tellerrandes. Das klingt bei Fefe dann so:

„Aber nur in der Politik sind die Vollpfosten so dreist, sich mit ihrer angeblich so umfangreichen „politischen Arbeit“ (wenn ich diese Hohlphrase schon höre, krieg ich Gewaltphantasien) rechtfertigen zu wollen.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb19b1e

Als nächstes vergleicht er die Arbeit der Piraten mit einer Suppe, die er im Restaurant bestellt hat und tut so, als würde er in der Politik der Piraten ein von ihm bestelltes und zu bezahltes Produkt beurteilen. Sehr praktisch an seiner Argumentation, er selbst entzieht sich jeglicher Eigenverantwortung:

„Oh und nachhaltiger als mit „machs doch besser“ könnt ihr euch gar nicht demaskieren. Stell dir vor, du gehst ins Restaurant, und in deiner Suppe schwimmt eine Ratte. Würde da irgendjemand „machs doch besser, wenn du es besser kannst“ vom Koch akzeptieren? Nein! Natürlich nicht!“
http://blog.fefe.de/?ts=afb19b1e

Wärend am 22. März angeblich noch die Piraten verantwortlich für die Einführung des LSR waren, ist am 24. März kein Verdienst der Piraten mehr zu erkennen. Analyse nach Tageslaune:

„NICHTS war euer Verdienst.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb19b1e

Welche Absichten sich tatsächlich hinter Fefes Angriffen verbirgt, wird nach Monaten der kleinlichen Sticheleien schlussendlich sichtbar.

„Und ja, mir ist euer Abtritt wichtiger als der Abtritt von Merkel und co. Denn ihr verhindert mit eurer Inkompetenz, dass sich eine richtige Opposition bildet.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb19b1e

Und es müsse eine kompetente Opposition aufgebaut werden. Aber das sollen natürlich andere machen, Herr Fefe ist diese Arbeit zu lästig. Zu dumm nur, wenn alle so ticken würden, wären nicht mal die Piraten jemals gegründet worden:

„Am besten gründet ihr eine Facebook-Gruppe, wo ihr euch alle gegenseitig shitstormt, bis ihr blau anlauft. Da steht ihr dann wenigstens nicht mehr im Weg rum.“ http://blog.fefe.de/?ts=afb19b1e

2009 mussten sich Piraten auf der Straße als Kinderficker beschimpfen und bespucken lassen. 2012 kamen plötzlich die gleichen Bürger zu Dutzenden begeistert angerannt und sechs Monate später sind die Piraten plötzlich wieder total uncool. Ausgerechnet Leute wie von Leitner, die sich ständig damit brüsten, hinter die Kulissen zu blicken zu können, bilden hier nachweislich keine Ausnahme.

Vergesst solche Nerds, macht weiterhin eure Arbeit. Im politischen Engagement werden euch diese Leute niemals eine Hilfe sein. Sie schaden lieber ihren eigenen originären Interessen, indem sie sich durch Klugscheisserei das eigene Nerd-Ego aufpolieren. Das ist auch dringend nötig, denn hinter der übertriebenen Großkotzigkeit, verbirgt sich meist nur der schmale Intellekt von Fachidioten. Fachidioten im Übrigen, von denen es bei den Piraten ebenfalls Tausende gibt.

Wie eine bemerkenswert zutreffende und fachkundige Analyse aussieht, die sich teilweise ebenfalls kritisch mit Arbeit und Zustand der Piraten auseinander setzt, hat in der vergangenden Woche Sascha Lobo vorgeführt.

http://saschalobo.com/2013/03/22/unsere-muetter-unsere-fehler/